02. April 2018

Bassenheim stillt seine Pokal-Gier

Die Handballerinnen des TV Bassenheim sind auf den Thron des Handballverbandes Rheinland zurückgekehrt. Nach dem dritten Platz im vergangenen Jahr in Engers entschied der RPS-Oberligist am Ostermontag das Sparkassen-Final-Four in Bitburg für sich.


Die Bassenheimerinnen gewannen bereits zum vierten Mal seit dem Jahr 2010 den Rheinland-Pokal.

Nach einem standesgemäßen 11:6 (6:2)-Erfolg im Halbfinale über eine Spielzeit von 30 Minuten gegen den in der Bezirksliga angesiedelten Turniergastgeber TV Bitburg behielten die Grün-Weißen vor toller Kulisse im Endspiel gegen den Ligakonkurrenten HSG Hunsrück ebenfalls ungefährdet die Oberhand. Nach zweimal 20 Minuten stand auf der Anzeigetafel ein 16:10 (9:4)-Sieg für den Favoriten.

Überraschend kam der Erfolg für die Ballwerferinnen aus dem Kreis Mayen-Koblenz nicht. Sie hatten sich vorbereitet. Ein kurzer Sprint in die Kabine nach der Schlusssirene, und als Christina Henn auf die Spielfläche der Edith-Stein-Halle zurückkehrte, hatte sie eine knallrote Kühltasche in der Hand. Ja, die Spielerinnen hatten den Sekt bereits entsprechend vortemperiert. Trainer Hansi Schmidt hatte davon nichts mitbekommen, nahm das seinen Schützlingen aber auch nicht im Geringsten übel. Im Gegenteil: "Es spricht für das Selbstbewusstsein des Teams. Wenn wir mit dem in die Spiele gehen, sind wir meistens auch erfolgreich. Genau diese Einstellung erwarte und fordere ich von den Mädels."

Exakt diese Vorgaben erfüllte der TVB in der Eifel in beiden Partien. "Gegen Bitburg zählte im Halbfinale nur der Sieg. Da war das Ergebnis egal", kommentierte Schmidt den Sieg über den Lokalmatadoren. Der hielt die zunächst torarme Partie zwar zehn Minuten lang offen, aber nach dem 2:2-Zwischenstand startete der Favorit einen 7:0-Lauf und bog souverän auf die Siegerstraße ein.

Sascha Burg, Trainer der HSG Hunsrück, hatte bereits vor dem Endspiel gemutmaßt: "Der Sieger steht jetzt schon fest. Bassenheim können wir heute nicht Paroli bieten, weil bei uns zehn Spielerinnen aufgrund von Verletzungen und Urlaub fehlen. Für mich war schon der Sieg gegen Wittlich eine große Überraschung." Die Kombinierten warfen den Titelverteidiger mit 16:15 nach Siebenmeterwerfen aus dem Rennen um den Pokal und hatten gegen Bassenheim, ohne Jessica Gerlach, Nathalie Oster und Jana Schubert angetreten, tatsächlich wenig auszurichten. "Meine Mannschaft war gierig auf den Titel. Wir haben über den tollen Teamgeist diesen Pokal, den wir unbedingt wollten, gewonnen", freute sich Schmidt, für den es im Gegensatz zu vielen seiner Spielerinnen der erste Final-Four-Triumph war. Schnell lag der spätere strahlende Sieger mit 5:1 vorne, weil im Angriff zum einen mit spielerischer Klasse die Chancen herauskombiniert und in letzter Konsequenz auch sicher verwertet wurden. Die HSG Hunsrück verkürzte war auf 3:5, aber das war nur ein kurzes Strohfeuer, das der TVB im Keim erstickte. "Auch unsere Deckung stand hervorragend", verwies Schmidt auf nur vier Gegentore in der ersten Halbzeit. Der Rest war Formsache.

Bleibt die Frage nach einem Wunschlos für die erste DHB-Pokalrunde. "Wir nehmen, was kommt", wollte der Trainer keinen Gegner nennen. Nur so viel: "Wir hätten gerne ein Heimspiel vor unseren eigenen Zuschauern und wollen nicht unbedingt durch die halbe Republik reisen."

Apropos Zuschauer: Gemessen am Zuspruch, bewies der HVR das richtige Händchen, das Final-Four erstmals nach Bitburg vergeben zu haben. "Ich glaube so viele Besucher hatten wir bei einem Endturnier der Frauen noch nie. Das ist auch das Ergebnis der tollen Werbung, die der TV Bitburg im Vorfeld betrieben hat. Die Zuschauer bekamen vier gutklassige Partien und mit Bassenheim schließlich einen verdienten Sieger zu sehen, wobei auch die anderen Mannschaften sehr gute Leistungen gezeigt haben", bilanzierte HVR-Präsident Peter Josef Schmitz den langen Handballtag in der Eifel.


Finale:
TV Bassenheim - HSG Hunsrück 16:10 (9:4)


Nele Kappes eröffnete im Endspiel zwar den Torreigen, aber ihr 1:0 blieb für acht Minuten der einzige HSG-Treffer, und als sie selbst den zweiten nachlegte, hatte der TVB vornehmlich über die Flügel schon fünfmal eingenetzt. Die Grün-Weißen hatten spielerisch mehr zu bieten und beim Abschluss mehr Fortune. So war die Vorentscheidung bereits zur Pause (9:4 für Bassenheim) gefallen. Nun ließ auch die HSG allmählich die Köpfe hängen, sodass sie mit maximal acht Bällen in Rückstand geriet. Erst in der Endphase, als die Bassenheimerinnen nach einer sehr fokussierten Leistung einen Gang zurückschalteten gelang der Burg-Sieben noch etwas Ergebniskorrektur.

Bassenheim: M. Schmitt, Balmert - Wambach (3), Israel, S. Henn, Hommen (5), Schmitz (1), N. Schmitt, Schubert, Lennartz (3/2), C. Henn (1), Richter (3).
Hunsrück: Born, Christ - Vollrath (1), Simon, A. Frank, M. Frank, Litzenburger, Bottlender, Nicola (3), Jacobs (2/1), Kappes (4).
Schiedsrichter: Dario Lehmler/Jan Stitz.
Zeitstrafen: 1:2
Siebenmeter: 2/2:3/1.


Spiel um Platz 3:
TV Bitburg - HSG Wittlich 10:18 (5:9)


Das kleine Finale verlief aus Bitburger Sicht ähnlich wie die Partie in der Vorschlussrunde. Eingangs konnte der Lokalmatador noch mithalten und bis zum 4:5 den Anschluss halten. In den Minuten vor der Pause vergrößerte der Titelverteidiger jedoch den Vorsprung. Das Angriffstempo des Oberligisten war für den TVB schlichtweg zu hoch. Dieses Bild setzte sich auch im zweiten Durchgang fort, als die HSG die Lücke - wenn in der Endphase auch die Konzentration verloren ging - weiter vergrößerte. Die Mannschaft von Patrick Schaal zeigte trotzdem mit einem weiteren beherzten Auftritt, dass sie vor guter Kulisse Werbung in eigener Sache betreiben wollte.

Bitburg: Nikolay, Solf - K. Jackel (1), Hendle, Schmitt (3), Enders, Kaufmann, J. Jackel (2), König, Schuh, Bares, Endres (3), Stockemer (1), Fürstenberg.
Wittlich: Scharfbillig, Diede - Keil (3), Ambros (4), Molitor, Barthen, Flesch (2), Engel (1), Rolinger (1), Packmohr, Simonis (3/1), Schieke (3), Lukanowski, Schenk (1).
Schiedsrichter: Dario Lehmler/Jan Stitz.
Zeitstrafen: 2:2.
Siebenmeter: 0/0:2/1.


Halbfinale:
TV Bitburg - TV Bassenheim 6:11 (2:6)


Dass es zur Überraschung gegen Bassenheim nicht reichen würde, stand drei Minuten vor der Schlusssirene bereits fest, und trotzdem bejubelten die Bitburger Fans in der Edith-Stein-Halle jede gelungene Aktion ihres Teams frenetisch. Unter anderem diesen trockenen Rückraumtreffer von Karolin Jackel zum 3:9. Die Zuschauer hatten ein feines Gespür dafür, wie sie im Vergleich zwischen dem gastgebenden Bezirksligisten und dem Favoriten aus der Oberliga den Maßstab ansetzen mussten. Das Gleiche galt für die Bitburger Spielerinnen, die sich mit der 6:11-Niederlage sehr achtbar aus der Affäre zogen und sich nach Spielende folgerichtig mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht abklatschten. Bitburg setzte im verkürzten Halbfinale auch auf den Faktor Zeit. Über zweimal 15 Minuten kann der Außenseiter nämlich schon einmal eher eine Überraschung schaffen als über die doppelt so lange Distanz. Und bis zur zehnten Minute ging der Plan des Final-Four-Debütanten auch voll auf. Aber nach dem 2:2 häuften sich dann doch die technischen Fehler bei den Eifelanerinnen und in Kombination mit zwei Zeitstrafen kurz vor einer weiteren nach der Halbzeitpause setzte sich die Mannschaft von Hansi Schmidt, die immer mehr ins Rollen kam, auf 9:2 ab. Vier Treffer gingen bei diesem 7:0-Lauf auf das Konto von Eva-Maria Lennartz. Die Einheimischen machten aber deutlich, dass sie jede Minute dieses Oster-Höhepunktes genießen wollten und kämpften sich am Ende noch einmal ein wenig heran.

Bitburg: Nikolay, Solf - K. Jackel (3), Schmitt, Enders, Kaufmann, J. Jackel (1), König, Thies, Schuh, Bares, Endres (1), Stockemer (1), Fürstenberg.
Bassenheim: M. Schmitt, Balmert - Wambach (1), Israel (1), S. Henn (1), Hommen (1), Schmitz, N. Schmitt (1), Schubert, Lennartz (6/4), C. Henn, Richter.
Schiedsrichter: Christian Schmitt/Christian Weiß.
Zeitstrafen: 4:1.
Siebenmeter: 1/0:6/4.


HSG Hunsrück - HSG Wittlich 16:15 n.S. (10:10, 5:3)


Spannender kann Handball kaum sein. Erst der 14. Versuch im Siebenmeterwerfen brachte die Entscheidung zugunsten der Hunsrückerinnen. Nachdem Julie Jacobs getroffen hatte, wehrte Sophie Born den Wurf von Lisa Rolinger ab und wurde von ihren Mannschaftskolleginnen als Matchwinnerin hochleben lassen. Auch wenn die Entscheidung nur um Haaresbreit ausfiel, war der knappe Erfolg der Mannschaft von Trainer Sascha Burg nicht unverdient. Sein Team lag bis auf eine Ausnahme immer in Front, und die datierte der Schlussminute. Irina Lukanowski erzielte das 9:10 und Wittlich schnupperte am Endspiel. Aber zwölf Sekunden vor Schluss bewies Nele Kappes Nervenstärke, als sie einen Siebenmeter zum Gleichstand in die Maschen setzte. Weil der abschließende Freiwurf von Helen Schieke im Hunsrücker Block landete, musste die Entscheidung im Showdown von der Siebenmeterlinie fallen. Dieser begann für die Burg-Sieben denkbar unglücklich, weil Kappes am Pfosten scheiterte. Sophie Born stellte mit ihrer Parade gegen Wittlichs vierte Schützin Nicole Packmohr die alten Verhältnisse wieder her und machte mit dem abgewehrten Rolinger-Versuch den Endspiel-Einzug perfekt.

Hunsrück: Born, Christ - Vollrath (1), Simon (2), Frank, Wies (1/1), Frank, Litzenburger, Bottlender (1/1), Nicola (3/1), Jacobs (3/2), Kappes (5/4).
Wittlich: Scharfbillig, Diede - Keil, Ambros (1), Molitor (1), Barthen (2/1), Flesch (1), Engel, Rolinger (2/2), Packmohr (1), Schieke (3/1), Lukanowski (1), Simonis (2/2), Schenk (1).
Schiedsrichter: Christian Schmitt/Christian Weiß.
Zeitstrafen: 1:2.
Siebenmeter: 4/3:1/1/1.

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