05. Juni 2017

Torben Waldgenbach ist deutscher Meister

Der Handballverband Rheinland hat einen deutschen Meister: Torben Waldgenbach aus Urbar hat mit der A-Jugend der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen den Titel gewonnen.


Die Lücke gefunden: Torben Waldgenbach auf dem Weg zu einem seiner sechs Tore im Final-Rückspiel gegen die Füchse Berlin.

Torben Waldgenbach zählt zu den größten Spielern in der A-Jugendmannschaft der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen. Einmal werden er und seine Körpergröße am Pfingstsamstag noch gebraucht, als sich Jugendnationalspieler Frederik Simak um 19.37 Uhr den Ball packt. Einmal gilt es noch, einen gegnerischen Torversuch zu verhindern. Die 60 Minuten im Final-Rückspiel um die deutsche Meisterschaft sind bereits abgelaufen, aber diesen einen Freiwurf bekommen die Füchse Berlin noch. Es ist der Wurf der über Meistertitel und Vizemeisterschaft entscheidet. Simak sieht sich einem Dutenhofener Sechserblock gegenüber. Waldgenbach nimmt aus Sicht des Schützen die zweite Postion von rechts ein. Am Hünen aus Urbar, denkt sich Simak, ist es schwierig vorbeizukommen, sucht einen anderen Weg und knickt nach links weg. Er legt alles in diesen Wurf rein, der trotzdem in der Mauer hängen bleibt. Simak sinkt enttäuscht zu Boden, die Dutenhofener Spieler springen wie Flummis durch die mit 1713 Zuschauer pickepackevolle Halle. Die HSG hat diese dramatische Partie zwar mit 24:27 verloren, aber dieses Ergebnis reicht nach dem 30:27-Sieg im Hinspiel in Berlin aufgrund der mehr erzielten Auswärtstore zum großen Triumph. 14 A-Junioren des Wetzlarer Bundesliga-Nachwuchses liegen sich in diesem Moment in den Armen. Sie haben den wichtigsten Titel im deutschen Jugendhandball gewonnen, auch der Urbarer mit der Nummer 31 auf dem Rücken. "Absoluter Wahnsinn", sprudelt es wenige Minuten vor der Halle aus ihm heraus, umgeben von Familie, Freunden und ehemaligen Mitspielern. Torben Waldgenbach ist der erste deutsche Meister mit Wurzeln im Handballverband Rheinland seit Hermann-Josef Häring mit der B-Jugend des TV Kärlich Mitte der 1970er-Jahre.
"Es dürfte so mit sechs Jahren bei einem Mini-Turnier gewesen sein", erinnert sich der 18-Jährige vage an sein erstes Handballspiel. Einzelheiten dieses Tages sind heute zu weit entfernt. "Aber Mülheim und Bendorf müssten ziemlich sicher unsere Gegner gewesen sein", glaubt er noch zu wissen. Es war das Dress des TV Vallendar, in dem er damals mit der standesgemäßen Portion Aufregung und Nervosität debütierte. Knapp anderthalb Jahrzehnte sind seitdem ins Land gegangen, aus dem damals kleinen Handball-Neuling ist ein vielversprechendes Talent geworden und ein deutscher Meister am ersten Juni-Wochenende - ein langes dank Pfingsten, und das war gut so ob der anstehenden Feierlichkeiten ("So lange wir können").


Goldmedaille und Meister-T-Shirt werden Torben Waldgenbach lange einen dramatischen Abend mit Happy-End in der Dutenhofener Sporthalle erinnern.

Vor zwei Jahren aus Bendorf aufgebrochen, um sich seinem Talent entsprechend auf höherem Level zu messen und weiterzuentwickeln, hat der wurfgewaltige Rückraumshooter vom Rhein, der parallel zu seinen Einsätzen in Wetzlar zwei Jahre lang ein Zweitspielrecht in der Oberliga-Mannschaft des HV Vallendar besaß, im Osten Wetzlars jetzt die erste ganz große Sternstunde seiner jungen Laufbahn erlebt und als Leistungsträger der HSG-Mannschaft selbst in erheblichem Maße dazu beigetragen. Mit sieben Toren war der Blondschopf bester Feldtorschütze seines Teams im Hinspiel, im entscheidenden Rückspiel waren es noch einmal derer sechs. Es ist auch sein Ehrgeiz, der ihn auszeichnet. "In der ersten Halbzeit hätte ich noch zwei Dinger mehr machen müssen, aber man darf sich keine großen Gedanken über Fehlwürfe machen", erklärte der Halblinke später. Gesagt, getan. Die ersten beiden Treffer der zweiten Halbzeit gingen auf sein Konto, genauso wie das 19:22 nach 45 Minuten, als die Dutenhofener verbissen versuchten, den Anschluss zu den Füchsen zu halten. "Wir waren heute in der Abwehr schwächer als im Hinspiel", erklärte Waldgenbach warum die Berliner dicht dran waren, den Rückstand aus dem ersten Vergleich zu kompensieren. "Aber wir haben nie aufgegeben, jeder kämpfte für jeden", beschrieb HSG-Trainer Thomas Weber den in seinen Augen entscheidenden Aspekt. Genau diesen Teamgeist hob auch Torben Waldgenbach hervor: "Der Zusammenhalt innerhalb dieses Teams ist großartig. Egal wer ein Tor erzielt, dann steht immer die ganze Bank."
Tore des Ex-Vallendarers und -Bendorfers gab es in dieser mit einem dramatischen Endspiel zu Ende gehenden Saison viele zu bejubeln. In der Hauptrunde, die der neue deutsche Meister in der Bundesliga-Ost-Staffel mit 43:1 Punkten ungeschlagen abschloss, erzielte der 18-Jährige 124 Treffer und war damit 17.-bester Schütze der vier Bundesliga-Gruppen. In den K.o.-Runden kamen in den sechs Begegnungen gegen den TSV Bayer Dormagen, den TSV Burgdorf und die Füchse Berlin noch einmal 31 hinzu. Die Ergebnisse auf dem Weg zur Meisterschaft bestätigen die Einschätzung Torben Waldgenbachs einer "überragenden Rundumausbildung", die einen "menschlich wie sportlich enorm weiterbringt".
Mit dem Berlin-Spiel und der Meisterfeier endete für den Schützen aus der zweiten Reihe auch die Zeit des Jugendhandballs. Jetzt steht der nächste Schritt in den Seniorenbereich an. Waldgenbach, der ein Jura-Studium beginnen will und in die Pfalz zieht, läuft ab der Saison 2017/18 für den Drittligisten TV Hochdorf auf und erhält ein Zweitspielrecht eine Klasse höher bei der TSG Friesenheim. "Jetzt möchte ich den nächsten Schritt gehen", sagt er und will irgendwann einmal in der Bundesliga ankommen. Dort ist die HSG Wetzlar mit ihrer ersten Mannschaft bekanntermaßen vertreten, und man kann sich sicher sein, dass HSG-Geschäftsführer Björn Seipp die Jungs, die ihn am Pfingstsamstag so stolz machten, im Fokus behalten wird.

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